Wintersportverletzungen

Übersicht

Was Sie dazu wissen sollten

Zu den typischen Wintersportarten zählen vorwiegend Skilaufen, Snowboarden, Eislaufen und Rodeln. Weiter gefasst kann zum Wintersport auch jegliche andere körperliche Betätigung an der frischen Luft gezählt werden. Dazu zählt beispielsweise auch das Joggen oder Radfahren. Schnee, Eis und Nässe sind im Winter spezielle Gefahrenquellen. Im Zusammenhang mit diesen speziellen Umständen kann es zu einer Vielzahl von klassischen Sportverletzungen kommen. Besonders betroffen sind die Extremitäten wie Arme und Beine. In diesem Beitrag gebe ich Ihnen einen Überblick zu den wichtigsten Wintersportverletzungen.

Risiken Sturz, Belastung und Kälte

Sturzverletzungen sind sehr typisch für den Winter. Auf Skipisten, Rodelbahnen und Eislaufflächen kommt es bei sportlichen Aktivitäten schnell zu einem Sturz. Zusammenstöße mit anderen Sportlern sind besonders gefährlich. Auch wer in winterlicher Landschaft joggt sowie mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss bei Glätte und Schnee verstärkt mit Stürzen rechnen.

Durch Stürze mit hoher Geschwindigkeit, insbesondere beim alpinen Skisport, können Verstauchungen, Platzwunden, Prellungen und Brüche folgen. Insbesondere Verletzungen der Extremitäten (=Arme und Beine), dem Rücken und dem Kopf treten regelmäßig in Erscheinung. Die hart präparierten Pisten, das immer schneller werdende Material und die höhere Bereitschaft ins Gelände zu fahren, machen den Skisport immer verletzungsanfälliger.

Die sportliche Belastung selbst – unter Umständen durch mangelndes vorhergehendes Training und einen allgemeinen schlechten sportlichen Zustand – kann schnell zu einer Überbelastung werden. Bänder werden gezerrt oder reißen. Auch Zerrungen aufgrund der Kälte sind nicht selten, besonders, wenn die Sportler vor der sportlichen Aktivität den Aufwärmprozess vernachlässigen. Das Herz-Kreislauf-System kann mittelbar ebenfalls als anfällig für Wintersportfolgen betrachtet werden. Die für viele Menschen ungewohnten körperlichen Anstrengungen in kalter Luft begünstigen Ereignisse im Herz-Kreislauf-Segment.

Verletzungen des Kniegelenkes

Wintersportler auf der Skipiste riskieren besonders oft Verletzungen des Kniegelenkes. Schätzungsweise über 30 % aller Skiverletzungen sind Knieverletzungen. Bei Überbelastung oder Unfällen kommt es zu Bänderrissen oder zu Verletzungen des Meniskus. Die Kreuzbandverletzung ist besonders häufig und gefürchtet, da oftmals eine Operation und ein langwieriger Rehabilitationsprozess daraus resultieren. 

Das Knie ist meist vermehrt gebeugt, der Schwerpunkt ist weiter hinten, während das Knie nach innenrotiert ist. Dies wird als Phantomfuß-Mechanismus oder dynamischer Schneepflug bezeichnet. Auch beim klassischen „Einfädeln“ durch einen Valgus (=X-Bein) und durch eine Aussenrotation kann das Kreuzband reissen.

Viele Sportler spüren beim Unfall ein Schnalzen, welches mit einem unmittelbaren Kniegelenkserguss einhergeht. Ein Hämarthros (=blutiger Erguss des Gelenkes) spricht bis zum Beweis des Gegenteiles für einen vorderen Kreuzbandriss.

Häufig handelt es sich nicht alleine um eine Kreuzbandverletzung. Seitenbandverletzungen und Meniskusriss sind oft mitbetroffen und verlängern den notwendigen anschließenden Rehabilitationsprozess.

Bei jungen Sportlern wird ein Kreuzbandriss meist durch eine sogenannte Ersatzplastik rekonstruiert. Bei älteren Personen, bei geringen funktionellen Anspruch und guter Stabilität des Gelenkes, kommen auch konservative Behandlungsmethoden wie Bandagen, Kräftigungsübungen, Schonung und Schmerzmittel zum Einsatz. Bei Kombinationsverletzungen von mehreren Bändern und Meniskus profitieren die Sportler eher von einer Operation. Bei jungen Sportlern wird ein Kreuzbandriss meist durch eine sogenannte Ersatzplastik rekonstruiert. 

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Bei älteren Personen, bei geringen funktionellen Anspruch und guter Stabilität des Gelenkes, kommen auch konservative Behandlungsmethoden wie Bandagen, Kräftigungsübungen, Schonung und Schmerzmittel zum Einsatz. Bei Kombinationsverletzungen von mehreren Bändern und Meniskus profitieren die Sportler eher von einer Operation. Bei der Wahl der Behandlungsmethode sollte immer berücksichtigt werden, dass falsch oder nicht behandelte Meniskus- sowie Kreuzbandrisse zu frühzeitiger Gelenksabnützung und Arthrose führen kann. Insgesamt können Verletzungen am Knie sehr langwierig sein. Betroffene sind über Wochen hinweg in der Bewegung eingeschränkt und müssen durch passende Rehabilitationsmaßnahmen für den Aufbau der umgebenen Muskulatur sorgen. 

Unterschenkelbrüche knapp oberhalb der Skischuhkante kommen ebenso regelmäßig vor. Bei einem Bruch des Schien- und Wadenbein profitieren Betroffene im Allgemeinen auch von einer den Knochen stabilisierenden Operation. Auch hier muss mit einer entsprechend langen Auszeit gerechnet werden, um sich von der Verletzung zu erholen.

Bereich Schulter

Bei Stürzen auf nassen rutschigen Untergrund mit höherer Geschwindigkeit entstehen auch häufig Schulterverletzungen. Verbreitet sind hier unter anderem: 

Schulterluxationen (= Verrenkungen des Schultergelenkes)
Luxationen des Schultereckgelenk (= AC-Gelenk Luxation)
– Brüche des Oberarmkopfes oder des Schlüsselbeines
Rotatorenmanschettenrisse (= Sehnenriss im Schultergelenk)

Für die Wahl der Behandlung kommt es auf die Schwere der Verletzung an.

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Einige lassen sich konservativ, andere nur operativ behandeln. Auch Schulterverletzungen als Wintersportverletzungen können in eine langwierige Behandlungsphase einmünden. Häufig ist der/die Betroffene für längere Zeit in seinem Alltagsleben eingeschränkt. Die Schulter ist ein Kugelgelenk welches muskulär gut gesichert ist und einen großen Bewegungsradius aufweist. Nach Verletzungen sind oftmals längere Ruhigstellungen erforderlich, welche nach einer gewissen Zeit in eine Bewegungseinschränkung resultiert. Zum Erlangen des vollen Bewegungsausmaßes muss oft eine langwierige Therapie durchgeführt werden.

Bereich Hände und Handgelenke

Frakturen, Verstauchungen, Bänderrisse und Zerrungen stehen bei Verletzungen im Bereich der Handgelenke im Vordergrund.

Eine klassische Folge von Wintersport und damit Wintersportverletzung ist der sogenannte Skidaumen. Vielfach wird ein Sturz gerade über die Handgelenke und Hände abgefangen. Wer während des Sturzvorgangs den Skistock in der Hand hält, spreizt den Daumen ab. Das kann beim Sturz zum Riss des Innenbandes im Daumengrundgelenk führen. Mediziner sprechen dann vom Skidaumen. Je nach Intensität der Verletzung wird konservativ mit einem speziellen Daumengips oder operativ behandelt.

Bei einem Sturz auf das oft ungeschützte Handgelenk – bitte Snowbordhandschuhe mit Verstärkung verwenden– kommt es häufig zu Brüchen des distalen Radius (= handgelenksnaher Bruch der Speiche) aber auch der Handwurzelknochen. Problematisch sind insbesondere Kahnbeinbrüche anzusehen, da sie nicht selten bei der Erstuntersuchung übersehen werden. Hier geben oft erst eine Computertomografie oder eine MRT Aufschluss über den vorliegenden Bruch.

Von der Schmerzintensität her lassen sich Brüche im Handgelenk auch nicht immer sofort von einer schweren Verstauchung abgrenzen. Je nach Frakturmuster des Knochens und des Dislokationsgrades wird konservativ oder operativ behandelt.

Bereich Rücken

Gerade auf der Skipiste kommt es häufiger zu Rückenverletzungen bei Stürzen und Zusammenstößen mit anderen Sportlern. Typisch sind hier Frakturen der Halswirbel, der Lenden- und Brustwirbelsäule. Frakturen in diesen Bereichen sind schwerwiegende Verletzungen und sollten nach der Erstbehandlung von einem Spezialisten begutachtet werden. 

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Um solche gefürchteten Verletzungen zu vermeiden können bei hohen Geschwindigkeiten, oder beim Befahren des Hochalpinen Geländes Rückenprotecktoren getragen werden, welche den Druck bei Stürzen verteilen und abpudern können.

Zu den milderen Verletzungen im Rückenbereich zählen typische Prellungen oder Stauchungen, die infolge eines Sturzes oder falscher Bewegungen auftreten können.

Wer untrainiert auf die Piste geht, riskiert muskuläre Verspannungen welche zu schmerzhaften Blockaden führen können. Diese sonst banale Problematik kann trotzdem das Ende des Wintersportes für den Urlaub bedeuten. Wer nicht aufgewärmt, untrainiert oder mit falscher Ausrüstung auf die Skipisten geht, riskiert in diesem Bereich viel.

Bereich Kopf

Zu den gefährlichsten Wintersportverletzungen zählen Unfallereignisse, die den Kopfbereich einbeziehen. Die Verletzungen reichen hier von einer relativ harmlosen Gehirnerschütterung bis hin zum Schädelbruch. Kopfverletzungen können auch beim Radfahren im Winter, beim Joggen, beim Eislaufen und Rodeln entstehen. Sie sind nicht den Skipisten vorbehalten. Daher sollte man bei Sportarten mit hoher Geschwindigkeit grundsätzlich nicht auf einen schützenden Helm verzichten.

Sprunggelenk und Fuß

Frakturen am Sprunggelenk und im Fußbereich, Bänderrisse, Verstauchungen und Zerrungen betreffen den unteren Bereich des Beines. Sie treten ebenfalls relativ häufig auf. Dabei kann beispielsweise beim Joggen für den Winter ungeeignetes Schuhwerk eine Rolle gespielt haben. Eine Sprunggelenksfraktur muss ebenso meist operativ versorgt werden und führt zu einem wochenlangen Ausfall der Gelenkfunktion. Auch hier ist wie in vielen anderen Bereichen eine umfassende Rehabilitation notwendig.

Wintersportverletzungen vorbeugen

Nicht alle Unfallereignisse beispielsweise auf der Skipiste lassen sich vermeiden. Hier kommt es manchmal auch auf das Verhalten weiterer Beteiligter an. Es gibt allerdings einige Faktoren, die wir selbst in der Vorbereitung berücksichtigen können und die Wahrscheinlichkeit einer Wintersportverletzung abmildern.

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Zu diesen Faktoren zählen:

– ausreichende und frühzeitige Vorbereitung durch Training für den Wintersport (Skigymnastik, Ausdauertraining und Krafttraining)

– angemessene Ausrüstung wie unter anderem Sturzhelm, passendes Schuhwerk beim Joggen und passende Kleidung

allmählicher Einstieg in den Wintersport (Überlastungsspitzen und Überanstrengung werden vermieden)

witterungsangepasstes Verhalten (bei Blitzeis auf Joggen und Fahrradfahren verzichten, bei vereister Piste besonders umsichtig skifahren, im Zweifelsfall eine sichere Variante wählen)

– allgemein umsichtiges Verhalten auf Wintersportflächen

– ein dem Alter und der Konstitution angepasstes Sportverhalten (schwarze Pisten sind möglicherweise für den Gelegenheits-Skifahrer im Seniorenalter nicht die richtige Wahl, Joggen auf eisglattem Waldboden kann durch das schonendere Walking abgelöst werden)

regelmäßige Aufwärm- und Mobilisierungsübungen vor jeder Sporteinheit.

Viele Unfallereignisse sind die Folge von Unachtsamkeit beim Wintersport. Wer achtsam und vorbereitet sportlich im Winter unterwegs ist, hat mehr vom Wintersport und riskiert weniger typische Wintersportverletzungen.