Muss ein Kreuzbandriss operiert werden?

Übersicht

Das hängt ganz individuell von ihren Anforderungen an ihr Knie Gelenk ab. 

Haben Sie beruflich eine sitzende Tätigkeit und keine Ambitionen sportlich aktiv zu sein oder sind Sie bereit ihre sportlichen Aktivitäten zu reduzieren, muss man ihr Kreuzband nicht zwingend operieren. Mit gezielten Muskelaufbau und mit physiotherapeutischen Training können sehr gute Ergebnisse auch ohne Operation erzielt werden. Sollten ihnen aber im Verlauf sogenannte „ Giving way Attacken“ (ein Einknicken des Kniegelenkes) auffallen, muss eine Operation neuerlich diskutiert werden, da dies ein Zeichen für eine Rotationsinstabilität des Kniegelenkes sind. 

Diese sogenannte Instabilität sind Rotationsbewegungen zwischen Ober- und Unterschenkel bei der es frühzeitig zu einer Abnützung des Gelenkknorpels und des Meniskus kommt.

Sind Sie Jung und sportlich mit hohen sportlichen Ambitionen und sind nicht bereit ihr Sportpensum herunter zu schrauben, dann profitieren sie ganz klar von einer Kreuzbandoperation. Wir wissen aus groß angelegten Studien, dass bei sehr aktiven Patienten mit gerissenen Kreuzband es zu einer frühzeitigen Zerstörung von Meniskus und Knorpelgewebe kommt auch wenn keine Instabilität subjektiv spürbar ist. Üben Sie also Sportarten mit vielen Rotationsbewegungen aus, z.B: Ballsportarten jeglicher Art, insbesondere Fußball, Skifahren, oder Kampfsportarten, ist ein stabiles Kniegelenk essenziell.

Ich entscheide individuell ob Ihr Kreuzband genäht (refixiert) werden kann oder rekonstruiert (Sehnenersatzplastik)werden muss. Es hängt hauptsächlich von der Rissform, Ihrem Alter, Ihren sportlichen Ambitionen und Risslokalisation ab.

WIE WIRD EIN KREUZBAND OPERIERT?

Bei einer arthoroskopischen Kreuzbandplastik wird eine körpereigene Sehne entnommen um diese dann als neues Kreuzband an Stelle des Gerissenen einzuziehen (Kreuzbandersatzplastik)
Die am Häufigsten verwendeten Sehnen sind die Hamstrings (Semitendinosus- und Gracilis-Sehnen STG), ein Teil der Quatrizepssehne oder das mittlere Drittel der Patellasehne (Kniescheibensehne) BTB. Diese haben unterschiedliche Vor- und Nachteile, daher sollte die Wahl der Sehne eine individuelle Entscheidung sein.

Ich verwende zumeist eine der Hamstringsehnen die ich mit der „all in side“ Technik arthroskopisch einbringe. Das ist eine der schonendsten Techniken bei der das neue Kreuzband gegen 2 Metallplättchen in Flaschenzugtechnik in kurze vorgebohrte Kanäle eingezogen und am Knochen befestigt wird. Bei vielen Konventionellen Techniken benötigt man 2 Sehnen. Bei der schonenden „all in side“ Technik benötigt man nur Eine. Somit kann die Zweite der Hamstring Sehnen erhalten werden.

KANN EIN KREUZBAND AUCH GENÄHT WERDEN?

Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Kreuzband auch erhalten werden und muss nicht mit einer Ersatzplastik ersetzt werden. Hierbei wird das eigene Kreuzband mehrfach mit einem Faden angeschlungen und an seinen anatomischen Ursprung refixiert.
Da das vordere Kreuzband ein schlechtes Heilungspotential besitzt und sich nach mehreren Wochen die Bandstümpfe zurückziehen und vernarben, muss es sich um eine relativ frische Verletzung handeln. Damit diese Technik angewendet werden kann sollte das Kreuzband ausserdem direkt am Knochen abgerissen sein. Um das Kreuzband in der primären Heilungsphase gegen eine neuerliche Verletzung zu schützen kann es mit einem dünnen Kunstband “ligament brace” verstärkt werden. Dieses wirkt wie ein Sicherheitsgurt bis die Heilungsphase abgeschlossen ist.

NACHBEHANDLUNG NACH EINER KREUZBANDPLASTIK

Nach einer arthoroskopischen Kreuzbandplastik kann man zumeist am 2 Tag nach der Operation das Krankenhaus wieder verlassen. Eine physiotherapeutische Behandlung findet bereits während des stationären Aufenthaltes statt, muss allerdings anschließend unmittelbar weitergeführt werden um eine frühest mögliche volle Bewegungsfreiheit wieder zu erlangen.
Eine Schiene ist meist nicht erforderlich. Für begleitende Meniskusnähte oder Knorpelchirurgische Eingriffe ist eine Ruhigstellung mittels einer Bewegungsorthese und eine Teilbelastung mit Krücken während der ersten 6 Wochen notwendig.

Nach einer Kreuzbandverletzung besteht ein höheres Risiko einer neuerlichen Verletzung des Selben, aber auch des andern Knies. Daher ist ein Kreuzbandpräventionsprogramm für weitere sportliche Aktivitäten essentiell.